Foto (Wolfgang Zarl): Das Abschnittsfeuerwehrkommando von Amstetten-Stadt: Verwalter-Stv. Tanja Jagetsberger, Kommandant Stefan Schaub, Kommandant-Stv. Karl Etlinger, Verwalter Thomas Griessenberger.
Nachruf der FF Amstetten
Nachruf EOBI Komm.Rat Günter Kiermaier, Abgeordneter zum Nationalrat a.D.
In tiefer Trauer nehmen die Kameradinnen und Kameraden der FF Amstetten Abschied von ihrem so ungemein verdienstvollen Kameraden und Freund EOBI Günter Kiermaier.
In diesen Stunden gilt unsere besondere Anteilnahme seiner Gattin Monika, mit der Günter über 55 Jahre verheiratet war, sowie seinen Söhnen Klaus und Günter mit ihren Familien. Mögen sie sich mit Stolz an ihren lieben Verstorbenen erinnern.
Seit 1962, also über 64 Jahre war er Mitglied in unserer Wehr und durch seinen Fleiß und seine bedingungslose Kameradschaft und Verlässlichkeit stieg er über Gruppen- und Zugskommandant zum Kommandant-Stellvertreter mit Dienstgrad Oberbrandinspektor auf.
Auch als er dann 1990 in den Nationalrat gewählt wurde und dort ein riesiges Arbeitspensum zu erledigen hatte, war er oft bei uns und unterstützte uns mit seinem Fachwissen, wo immer es nötig war.
Für seine Verdienste wurde er durch zahlreiche sichtbare Auszeichnungen der Republik, des Landes NÖ und des Feuerwehrwesens geehrt.
Als aktiver Feuerwehrmann brachte er dieses spezifische Wissen über die Feuerwehren auch sehr oft in die parlamentarische Politik ein und konnte damit viel Gutes für das österreichische Feuerwehrwesen erreichen.
Besonders unsere Wehr hat ihm so viel zu verdanken! Nicht nur seine hohe Einsatzbereitschaft, wenn wir im Einsatz Hilfe leisten mussten, sondern auch seine zukunftsweisenden Ideen für die Entwicklung unserer Wehr werden unvergesslich bleiben.
Alles hat er mit Begeisterung und riesigem Engagement selbst gemacht, hat es aber auch verstanden, andere für seine Ideen zu begeistern und zur Mitarbeit anzuspornen.
Sein großes Anliegen war die Jugendarbeit. Nach der Gründung der Feuerwehrjugend im Jahr 1971 war ihm der weitere Aufbau so wichtig, denn er erkannte von Anfang an, dass die Jugend die Zukunft des Feuerwehrwesens darstellen würde.
1972 wurde Günter Jugendführer mit der Funktion des Bezirkssachbearbeiters und wurde auch Mitglied im NÖ. Jugendausschuss. Amstetten hatte mit Günter hier Pionierarbeit geleistet, denn es gab bis dahin noch keine Richtlinien, viele bei uns gemachten Erfahrungen flossen später in jene ein.
Günter war aber in der Jugendarbeit kein Theoretiker, sondern Praktiker durch und durch. Ganz sicher kam ihm dafür seine große Erfahrung als Pfadfinderführer bei Don Bosco in der Herz-Jesu-Pfarre zugute.
So konnte er mit seiner Begeisterung auch die bis zu 60 Buben starke, auch aus den umliegenden Gemeinden stammende, Gruppe erfolgreich durch diverse Wettkämpfe führen.
Dankbar dürfen wir feststellen, dass Günters Aufbauarbeit dazu beitrug, dass heute der überwiegende Teil der aktiven Feuerwehrmitglieder als Mädchen oder Buben in der Feuerwehrjugend groß geworden sind und bei Erreichen des erforderlichen Alters in die aktive Mannschaft aufgenommen werden konnten.
Unschätzbare Verdienste erwarb sich Günter ab 2010 auch durch eine komplette Erfassung der Geschichte der Feuerwehr Amstetten, die für ihn zu einem unermesslichen Arbeitsaufwand führte.
Er arbeitete sich durch ALLE seit Gründung der Feuerwehr 1868 vorhandenen Einsatzberichte und Schriftstücke, praktisch also seit etwa 1880, hindurch und erstellte eine riesige, chronologisch geordnete Excel-Tabelle mit allen Einsätzen und wichtigen Ereignissen unserer Wehr.
Insgesamt kamen damit etwa 11.000 Textzeilen und Einträge zusammen, die Datum und Einsatzgeschehen genau auflisten.
Zudem scannte Günter mehrere tausend Fotos aus unseren Fotoalben, Kneipbüchern sowie anderen Quellen und erfasste sie ebenfalls in der EDV, sodass wir jetzt wunderbare Rückgriffsmöglichkeiten auf unsere Vergangenheit haben.
Jedesmal, wenn in unserer Chronistengruppe mit diesen Dateien gearbeitet wird, wird festgestellt, wie wertvoll und unentbehrlich diese Datensammlung ist und welch gigantischer Arbeitsaufwand von Günter dahintersteckt.
Seit der Gründung der Arbeitsgruppe der Chronisten in der Feuerwehr war Günter regelmäßig bei den Arbeitstreffen und mit Hilfe seiner Dateien konnten wertvolle Erkenntnisse aus früheren Zeiten rekonstruiert werden.
Leider begann er in den letzten Jahren mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen, die ihn immer öfter daran hinderten, das Haus zu verlassen. Aber bis vor einigen Monaten konnten ihn die Chronisten noch telefonisch um Rat fragen.
Nun ist uns Günter, wenige Tage vor seinem 84.Geburtstag, in die Ewigkeit vorausgegangen. Als tiefgläubiger Mann, wozu er sich stets offen bekannte, wird er wohl seinen verdienten Lohn bei Gott genießen dürfen.
Uns wird er aber fehlen, als Kamerad, als Vorbild, als echter Freund. Aber die, die ihn kannten, wie er war, werden ihn nie vergessen!
Lebe wohl Günter, ein letztes „Gut Wehr“, und auf Wiedersehen!
Die Kameradinnen und Kameraden der FF Amstetten
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